Balkonkraftwerk mit Mikrowechselrichter und Cybersicherheits-Warnsymbol

Sicherheitslücke bei Hoymiles-Wechselrichtern: Was Balkonkraftwerk-Besitzer jetzt wissen müssen

Ein Bericht des Chaos Computer Clubs (CCC) sorgt derzeit für Unruhe unter Balkonkraftwerk-Besitzern: Weit verbreitete Mikrowechselrichter des Herstellers Hoymiles (HM-, HMS- und HMT-Serie) weisen gravierende Sicherheitslücken auf. Laut den Sicherheitsexperten lassen sich die Geräte per Funk fernsteuern, abschalten und im schlimmsten Fall sogar physisch zerstören.

Balkonkraftwerk mit Mikrowechselrichter und Cybersicherheits-Warnsymbol
Mikrowechselrichter an einem Balkonkraftwerk: Sicherheitsforscher des CCC deckten gravierende Funkschwachstellen auf.

Wie funktioniert der Angriff auf die Wechselrichter?

Das Problem liegt in den Funkprotokollen, über die die Wechselrichter mit ihren Steuereinheiten (DTUs) kommunizieren. Dieser Austausch erfolgt unverschlüsselt über die Frequenzbänder 868 MHz und 2,4 GHz. Bislang ging man davon aus, dass ein Angriff nur möglich ist, wenn die individuelle Seriennummer des Geräts bekannt ist.

Doch der Sicherheitsforscher Benedikt Heinz (Hunz) entdeckte eine undokumentierte Funktion: Ein spezieller Rundrufbefehl zwingt alle erreichbaren Wechselrichter in der Umgebung, ihre Seriennummer im Klartext zu senden. Sobald ein Angreifer diese Nummer hat, kann er das Gerät übernehmen, da das Passwort für den Funkzugriff lediglich aus den letzten acht Stellen der Seriennummer besteht.

Infografik: So funktioniert der Funk-Angriff auf Balkonkraftwerk-Wechselrichter
So funktioniert die Sicherheitslücke: Der Wechselrichter sendet seine Seriennummer unverschlüsselt per Funk – ein Angreifer in der Nähe kann diese abfangen und das Gerät übernehmen.

Die eigentliche Schwachstelle: Lücken in den Prüfnormen

Während Hoymiles für die unsichere Implementierung in der Kritik steht, weist das Branchenmagazin Cleanthinking auf ein grundlegenderes Problem hin: Die deutschen Prüfnormen (wie VDE-AR-N 4105 oder EMV-Normen) prüfen zwar die elektrische Sicherheit und Netzverträglichkeit, aber Cybersicherheit wird bis heute nicht abgefragt.

„Ein Gerät kann jeden Prüfstempel tragen und trotzdem per Funk abschaltbar sein.“ – Cleanthinking

Das bedeutet: Hoymiles hat alle vorgeschriebenen Normen erfüllt, aber da Cybersicherheit kein Prüfkriterium war, blieb die Funk-Schwachstelle unbemerkt. Dies ist ein strukturelles Problem der gesamten IoT-Branche, das erst mit dem EU Cyber Resilience Act (scharf ab Ende 2027) behoben werden soll.

Prüfsiegel mit fehlendem Puzzleteil und offenem Schloss – Symbol für fehlende Cybersicherheits-Normen
Das eigentliche Problem: Wechselrichter können alle Prüfnormen erfüllen und trotzdem per Funk hackbar sein – weil Cybersicherheit kein Prüfkriterium ist.

Droht jetzt der Blackout durch gehackte Balkonkraftwerke?

Nein. Selbst wenn alle rund 1,4 Millionen in Deutschland gemeldeten Balkonkraftwerke gleichzeitig abgeschaltet würden, reicht die Leistung nicht aus, um das europäische Stromnetz zu destabilisieren. Die Netzbetreiber können solche Schwankungen abfangen.

Das Risiko liegt eher beim einzelnen Betreiber: Angreifer können die Netzeinstellungen manipulieren, das Gerät abschalten oder die Firmware überschreiben (Bricking), wodurch der Wechselrichter unbrauchbar wird und nur durch Öffnen des Gehäuses repariert werden kann.

Bin ich betroffen und was kann ich tun?

Betroffen sind Hoymiles-Mikrowechselrichter der HM-, HMS- und HMT-Serie, die über die herstellereigene Funkschnittstelle erreichbar sind. Anlagen, die gar nicht mit dem Internet oder einem Funknetzwerk verbunden sind, können auch nicht aus der Ferne gehackt werden.

Hoymiles hat reagiert und ein Firmware-Update mit stärkerer Verschlüsselung für Mitte Oktober 2026 angekündigt. Bis dahin rät der CCC und andere Experten:

  • Setzen Sie, falls in der Original-Software möglich, ein individuelles Diebstahlschutzpasswort.
  • Nutzer von Open-Source-Lösungen (OpenDTU, AhoyDTU) sollten die Abfrageintervalle drastisch erhöhen.
  • Warten Sie auf das offizielle Firmware-Update von Hoymiles im Oktober 2026.

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